Der Bruchpilot- Rettung aus dem Rohr
Eine Geschichte über eine Rettungsaktion einer kleinen Kohlmeise erzählt uns Emilia, ein Kind aus dem Hort. Berührt über die Geschichte verfasste die Familie einen kleinen Bericht dazu und bittet uns diesen auf der Homepage einzupflegen. So viel Mut und Arrangement müssen belohnt werden. Wir freuen uns dieses Wunder einer liebevollen Familie mit Ihnen teilen zu dürfen.
Mama kam nach Hause, stieg aus dem Auto und wunderte sich über ein merkwürdiges Rascheln. Sie schlich sich an das Regenfallrohr unseres Hauses und klopfte vorsichtig gegen. Stille. „Hm, vielleicht tippelt wieder Frau Elster über unser Dach“, vermutete sie und wandte sich dem Kofferraum zu. Während Mama ihre Sachen auspackte, raschelte es plötzlich wieder. Diesmal war es deutlicher. Irgendetwas flatterte, als sei es gefangen. Abermals pochte sie an das Rohr. Stille. Als sie gerade gehen wollte, wurde das Geräusch aufgeregter, als sollte Mama alles machen - nur nicht gehen! „Hallo?“, flüsterte sie, „Bist du etwa in das Rohr gefallen? Wie soll ich dich nur daraus befreien?“ Angespannt und aufgewühlt lief sie ins Haus, wo Uroma Nate sich gerade einen Tee kochte. „Oma, komm mal mit, ich glaube, ein Vogel sitzt in unserem Regenrohr und ich weiß nicht, wie wir ihn da wieder herausholen sollen!?“ Tatsächlich. Es flatterte immer noch etwas im Rohr. „Aber es piepst gar nicht!“, sagte Nate traurig. „Am besten ich rufe beim Naturschutzbund an, irgendjemand muss uns helfen!“ Schwierig war es nämlich, an den Unglücksraben heranzukommen, denn das Rohr schien tief und fest im Boden zu sitzen. Doch die Mitarbeiter rieten uns, lieber einen Dachdecker zu fragen. Gesagt, getan. Ein paar Telefonate später kam ein freundlicher Mann vorbei, der zuerst vorsichtig, dann kräftiger an dem Rohr rüttelte, bis ein Stück sich löste. Gespannt sahen wir auf die Öffnung. Plötzlich plumpste eine kleine, dicke, völlig verängstigte Kohlmeise aus ihrem dunklen Gefängnis. Eine Weile blieb sie sitzen - einerseits aus Erschöpfung, andererseits scheinbar auch aus Dankbarkeit. Wenn sie hätte sprechen können, hätte sie wohl ein zartes „Danke euch!“ gepiepst. Damit sie wieder schnell zu Kräften gelangte, gaben wir ihr etwas Vogelfutter, das wir am Tag zuvor erst für den Winter geholt hatten. So andauernd nahe sind wir einer Kohlmeise noch nie gekommen.